MTB-Historie

Alles fing an im September 1988. Fünf Jahre nach dem Führerschein und ausschliesslicher Benutzung eines Autos kaufte ich damals mein erstes Mountain-Bike. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal mehr als 1kDM ausgeben würde, aber selbst dieses war damals teuerer, es hat schon 1,2k gekostet. Ein grünes Adventure S, damals gebaut in Kleinblittersdorf bei Kettler. Soweit ich mich erinnere, schweißten die dort die Rahmen. Ein Bild hab ich noch keines, ich muss mal meine Ablage durchforsten. Das Kettler hielt nicht lange, keine sechs Monate. Kettler hatte damals die Rahmen nicht nachbearbeitet, die brachen alle am oberen Ende des Unterrohres, 1 cm von der Schweißnaht entfernt. Die Druckbelastung beim Bremsen (ich bremste damals nur zum Spaß so arg, dass sich das Rad hinten in die Luft hob) war für das Rohr zu stark. Und was uns Herr Sauerbrey aus Neunkirchen damals schon erklärte merkte ich dann schmerzlich an meinen Knochen. Metallrohre können Druck nicht so gut ab, auf Zug sind sie höher belastbar. So verschliss ich 5-6 Rahmen, bis Itze Mann, der Inhaber des Fahrrad Mann Geschäftes in der Großherzog-Friedrich-Straße 35 in Saarbrücken sagte, ich solle mir jetzt mal einen Stahlrahmen zulegen. Das machte ich dann auch.

2. Specialized Rockhopper Comp. Den Rahmen kaufte ich damals bei Mann, den Umbau machten die dort auch. War nicht schlecht der Hobel, nachdem ich was besseres hatte verkaufte ich das Rad an einen Schulkameraden aus der Grundschule, der hat es sich klauen lassen, soweit ich mich erinnere. Das war ja Ende der 80er.

3. Kestrel Carbon CSX mit einem Link zu Oldschool racing in der Schweiz. tolle Seite

Jetzt sind wir im November 1990. Der Dipl.-Ing. war gemacht, ich wusste, wenn ich ein richtiges Rad haben wollte, müsste ich nach Kalifornien fliegen. Ich buchte einen Flug nach San Francisco und einen Rückflug von LA. Unterwegs traf ich einen sehr netten jungen Mann, damals Zimmermann aus Neuss. Dirk F. lebte mit seiner Frau Monica in SFO. Ich konnte drei-vier Tage dort übernachten, dann besorgte ich mir einen Mietwagen und machte mich auf die Suche nach einem richtigen coolen Rad. Das war gar nicht so einfach, ich sprach dann Leute mit Cannondales auf der Straße an und fragte mich durch. Dann kam ich zur Sausalito Cyclery, erste oder zweite Abfahrt nördlich der Golden Gate Brücke. Die berieten mich gut und ich entschied mich für einen Custom-Aufbau eines Kestrel-CSX, so wie auf dem Bild zu sehen. Der Rahmen kam aus San Luis Obispo, 2-3 Stunden südlich von SFO, Schaltung, Bremsen, Naben, Innenlager und Antrieb von Shimano. Felgen von Mavic, Griffe von Odi. Vorbau und Lenker von atac. Sattel war Selle turbo in schwarz. Ich schob 3,5k USD über den Tresen und verliess ein paar Tage später voller Stolz den Laden. Die erste Fahrt damit ging, wohin? Über die Golden Gate Brücke. Das war alles sehr klasse.
Daheim war ich mit der Rakete natürlich auch der Star. Die Freude hielt auch ein paar Monate. Ich war 25, an Kraft fehlte es nicht. Ich behandelte das Rad gut, aber ich trat zu fest in die Pedale. Die Rohre bekamen Risse, erst das Sattelrohr, dann das Unterrohr.

4. Kestrel-CSX in grau. Ich buchte gleich für November wieder einen Flug, baute alles ab und flog mit dem Rahmen wieder nach Kalifornien, aber gleich zur Firma Kestrel nach San Luis Obispo. Dort gab ich den Rahmen ab und mein Kontaktmann Sam Horn versprach mir einen umgehenden Austausch. Ob die den repariert haben oder getauscht haben war mir nie ganz klar. Jedenfalls musste ich den Rückflug nochmal verschieben, dann liess ich mir im „Another Bike Shop“ in der Mission Street 2361 in Santa Cruz den Rahmen  neu aufbauen. Wieder nur vom feinsten. Damals gab es frisch pink eloxierte Teile von Grafton. Kann man auf dem Foto ganz gut erkennen, Bremsen, Schnellspanner und Lenkerhörnchen, damals noch riesengroß. Syncros Stütze und Vorbau. Den ersten weißen Selle Italia Flite Sattle, 110g wog der damals. die Lager waren von Chris King. Trek-Felgen, Schaltung von Shimano. Kurbeln waren von cook bros, ebenfalls in pink, die ersten SPD-Pedale die es gab. Ich kaufte damals sogar doppelt ein, Grafton speedtraps, Pedale mit einem von Grafton entwickelten proprietären Klicksystem legte ich dazu. Die alleine kosteten damals 250USD, man weiß ja nie, ob man die mal braucht.  Mit den SPD legte ich mich im Laden gleich mal in die Auslage. Balancieren konnte ich, aber ich hatte mit dem Aussteigen noch keine Übung. Der Flaschenhalter war aus Titandraht, den habe ich immer noch, für den wanderte einmal Ulysses S. Grant über den Tresen, ja unfassbar, aber das war damals so teuer.

Kaum zuhause ging es mit dem tunen weiter. Federgabel und Hinterrad-federung waren noch nicht soweit, das war alles noch weich. aber die erste Scheibenbremse gab es schon. Ich machte eines Tages einen Ausflug nach Heidelberg zum Fahrradgeschäft von German Möhren. Der verkaufte mir die abgebildete Accutrax-Gabel mit einer Prostop Scheibenbremse für 1.1k. die wurde für mich angepasst, dann verschickt, den Einbau übernahm ich selbst. Die Bremsscheibe war auf sechs Kunststoffhülsen gelagert, lief nie exakt in der Flucht, das war mir egal, gebremst hat sie super. Die Bremse war schon hydraulisch, aber nur das Innenleben. Der Kolben wurde über  Bowdenzug angesteuert, konnte man gut dosieren. An das Wechseln von Bremsbelägen konnte ich mich nicht erinnern, denn… jetzt kommts:
Das Innenlager machte das alles nicht mit. Es riß mitsamt der Hülse aus der Laminierung. An den Tag, als ich das sah, kann ich mich noch gut erinnern. Am Boden zerstört war ich. Wieder hab ich alles auseinandergebaut und den Rahmen mit Gabel, also mit der grauen, nach Kalifornien geschickt. Dann haben mir die Idioten einen S-Rahmen geschickt als Austausch, konnte ich nicht verwenden. Das Projekt Carbon war für über 20 Jahre gestorben. Es kam wieder Eisen ins Haus:

5. Specialized Stumpjumper Comp in grau. 1991 bei Itze Mann gekauft. Kostete 2.3kDM. Tange-rohr, Shimano Gruppe, fast komplett, Superglide vorne, Hyperglide hinten. Leider noch keine V-Brakes, das dauerte noch 10 Jahre. In der Bike-Clique, die sich damals samstags in der Scheidter Straße 120 bei Olaf Peifer immer traf, waren 3 Leute mit genau diesem Rad. Und das hielt, bis zum Schluss. Ich gab es Jahre später, als ich schon in Köln wohnte, meinem Bruder, der leider den wahren Wert nicht erkannte. Er stellte es irgendwann zum Sperrmüll, ich hoffe, dass es jemand mitgenommen hat und gefahren hat. Es war zu dieser Zeit State of the art!

6. Cannondale SE2000. Das erste Rad mit Hinterbau-Federung, brachte mir mein Kumpel Stefan J. aus Dudweiler, jetzt Neuss, damals aus Kalifornien mit. Ich fuhr es ein paar Tage. Es sah super aus, war aber zu weich im Tretlager. Richtig gasgeben konnte man damit nicht. Wo ging das hin? Ich glaub das ging zu:

7.-25, die Cannondale-zeit, von 1994-2010. Damals eröffnete mein Cousin eine Cannondale Vertretung in Eisenach. Ich bezog fortan alle meine Räder von ihm. Das war sicher eine großartige Zeit. Dann hat er aufgehört, aber ich erinnere mich sehr gerne daran. In dieser Zeit hatte ich mehrere F-Hardtails. F600,

F800SL, F900, F1000, Super-V 1000, Super-V2000, F3, Bad-Boy mit doppeltem Radsatz (26’/28′), Raven-V4000, und als letztes,

ein Rice-Carbon/Alu Fully mit Xentis-Carbon Felgen als Lefty-Ausführung.

Mit dem F600 hab ich die Touren um Frankreich und nach Oslo gemacht, mit dem F3 den Alpencross zum Gardasee und mit dem

R1000 den Ironman 2007. Ein Scalpel war leider nie dabei, die Erfahrung habe ich leider nicht. Nur das Rice ist noch da, alle anderen Räder sind in gute Hände abgegeben worden. Jetzt kommt gefühlt die sechsundzwanzig:

26. Mitech Fatbike Pinion. Custom made. Das beste Rad, was ich je hatte. die Cannondales waren nicht schlecht, aber: „Das bessere ist der Feind des guten“. Und so ist es leider. Das Rad ist ultrastabil, sieht genauso aus, wie ich es haben wollte und funktioniert super. OK, es ist etwas schwerer, aber so bleibt man im Training. Ich bin froh, den Weg der Kettenschaltungen mit nur einem Blatt vorne nicht mitgemacht zu haben. Mir gefällt es nicht und das ständige Kettenwechseln geht mir auch auf den Nerv. Der Zahnriemen kostet Kraft, das nächste hat vielleicht wieder Kette, aber nur für die Kraftübertragung nach hinten. Vom Pinion-Getriebe komme ich so schnell vermutlich nicht wieder weg. Dafür sprechen schon alleine die Bandbreite von 636% und das lineare schalten. Die Bremsen von Magura machen brutal zu und mit den 120mm breiten Reifen fährt man über alles drüber. Das macht Spaß.

Der Vollständigkeit halber seien unsere beiden Pedelecs von meiner Frau und mir noch genannt, Riese und Müller, New Charger. sind für Fahrten zur Arbeit und für Einkaufen (ein ganzer Kasten Bier, oder zwei Kasten Leergut passen da problemlos drauf) gedacht und dafür sind sie klasse. Bei 56km und >1km vertikal um zur Arbeit zu gelangen auf jeden Fall besser als Auto und Stau. Zuverlässig sind die auch, haben Gates-Carbon-Riemen Antrieb.